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Das Leben auf der Seestern als Passagier ist herrlich. Ich muss mich um nichts kümmern, kann tun und lassen was und wann ich will. Der Käpt´n und sin Fru sind super nette Menschen. Und ich bewundere sie und bin ihnen dankbar, dass sie im Grunde wildfremden Menschen die Möglichkeit geben, ihr Heim und ihr Leben mit ihnen zu teilen. Da gehört schon was dazu. Besonders zu schätzen weiß ich, dass mich die Beiden in Ruhe lassen, wann immer mir nach Ruhe ist. Sie sind nicht aufdringlich oder geschwätzig. Wenn mir nach einem Klönschnack ist, dann gehe ich ins Steuerhaus. Und wenn mir nicht nach reden ist, dann kann ich selbst dort mit Stella auf der Bank sitzen, einfach nur hinaussehen, die Landschaft und das Leben dort draußen an mir vorbeiziehen lassen, oder auch die Augen schließen und dem Stampfen der Maschine lauschen.

Das Steuerhaus ist überhaupt ein zentraler Ort auf der Seestern. Dort steht immer heißer Kaffee oder Tee bereit, dort serviert dem Käpt´n sin Fru des Morgens liebevoll und reichlich angerichtete Schnittchen, Müsli und Obst. Zum Mittag gibt es dort immer einen warmen Imbiss, am Nachmittag dann Kaffee und Kuchen. Nur am Abend, wenn die Seestern festgemacht hat, gibt es ein reichliches Mahl am großen Tisch in der Küche vom Käpt´n und sin Fru. Das ist wieder so ein Ding: ich sitze bei den Beiden in der Küche und dem Käpt´n sin Fru serviert leckerstes Essen! Und ich brauche mich nur an den Tisch zu setzten und genießen!

Damit der Käpt´n nicht jedes Mal, wenn es Essen gibt, quer übers Schiff brüllen muss “Essen fassen!”, gibt es auf dem Sonnendeck ein Signalhorn. Wenn 2 x ein langes Signal ertönt, dann weiß ich, es ist angerichtet…

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Der Käpt´n übrigens es nicht mehr mit ansehen konnte, wie ich ständig mit den Schnürbändseln meiner Stiefel herumhantieren musste – und mir Kutterclogs verordnet hat. In die kann ich nun einfach hineinschlüpfen – und sie halten meine Füße erstaunlich warm! Danke, Käpt´n!

Kapitel 633 / Einhalt

Das Kraftwerk Mohabit liegt gleich um die Ecke, allerdings wird dort gerade noch ein Schiff entladen. Wir müssen also warten. Da sich Binnenschiffe nicht so einfach irgendwo hinten anstellen können, sondern irgendwo festmachen müssen, wenn sie nicht fahren, steuert der Käpt´n einen Liegeplatz im Westhafen an. Von dort aus kann man zum Kraftwerk hinüberschauen.

Ich vertrödel die Wartezeit bewusst mit herrlichem Nichtstun – spiele mit Stella, klöne mit dem Käpt´n und sin Fru. Ich lausche Charles Brauer, wie er mir aus Grishams Buch “Das Gesetzt” vorliest… und nickere dabei auf dem Sofa ein…

Die wenigen Stunden bis zum Aufrücken kommen mir wie eine Ewigkeit vor und verlängern so auf wundersame Weise meine Woche Urlaub um gefühlt 3 Tage. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zum letzten Mal einen Tag einfach so vertrödelt und so ganz ohne Plan und Ziel einfach nur dem wunderbaren Nichtstun gefrönt habe…

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Pünktlich um 6 Uhr in der Früh beginnt der Kran mit seiner Arbeit. Ich falle von dem Lärm der Maschinen und dem Piepen des Krans aus dem Bett, eile nur kurz durchs Bad und werfe mir in Windeseile meine Klamotten über. Zusätzlich entscheide ich mich für einen Schutzhelm und eine quietschgrüne Warnweste. Dann stolpere ich die Stiege hinauf auf Deck. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen und so erhellen Scheinwerfer die Szenerie. Mit steifgefrorenen Fingern versuche ich, eine Zigarette zu drehen – was mir nur leidlich gelingt. Der Käpt´n kommt und schaut nach dem Rechten. Der Generator zickt rum, sagt er und verschwindet im Bauch des Schiffes. Eine Maschine stottert, prustet, geht aus, stottert, prustet… prustet… prustet… und läuft – juhu! Es ist mir zu kalt und ich ziehe es vor, wieder in meine Kjüte zu gehen, um mich aufzutauen. Das Schiff bebt mit jeder gefüllten Schaufel, die der Kran aus dem Laderaum hieft, und hebt sich jedes Mal ein kleines Stückchen aus dem Wasser. In so eine Kranschaufel passt eine Menge Kohle und so dauert es nicht sehr lange, bis das überschüssige Gewicht aus dem Bauch der Seestern geschaufelt ist.

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Ich plündere mich wieder an und gehe den langen Weg am Laderaum vorbei zum Steuerhaus. Es dämmert bereits und während die Seestern ablegt, genieße ich den ersten Pott heißen Kaffee an diesem Morgen…

Da die kleine Kamera das Scheinwerferlicht scheut, gibt es leider keine schönen Fotos…

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Kapitel 631 / Anleger

Zeit ist für mich auf der Seestern relativ – relativ egal! Irgendwann erreichen wir das Ziel des Tages: die Anlegestelle im Westhafen. Um gleich morgen früh startbereit für das Entladen zu sein, parkt die Seestern direkt vor dem Riesenkran. Hatte ich bis dato alle am Rande der bisher zurückgelegten Strecke liegenden Kräne und Bagger irgendwie einfach so an mir vorbeiziehen lassen, steigt nun Begeisterung in mir hoch. Das Ding da über mir ist riesig. Und die Vorstellung, dem Riesending morgen früh bei der Arbeit zusehen zu können, erfüllt mich mit kindlicher Vorfreude.

Direkt hinter dem Kran steht dann auch die Berliner Mauer – so könnte man jedenfalls meinen. Die nebeneinander aufgestellten Betonteile erinnern mich jedenfalls sehr daran.

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Der Rest des Tages vergeht weiter in aller Seelenruhe. Ich genieße es auf dem Schiff zu sein, nichts vor zu haben, nichts ist da, was ich erledigen müsste, nichts was mich drängt und zwängt. Herrlich.

Den ganzen Tag hat die Sonne vom blauen Himmel gelacht und ganz langsam macht sie sich auf, hinter dem Horizont zu verschwinden.

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Kapitel 630 / Eisbrecher

Kurz nach der Schleuse hat sich in bitterkalter Nacht eine Eisfläche gebildet. Und da wir offensichtlich die ersten sind, die heute durchgeschleust werden, machen wir uns mal ganz locker als Eisbrecher zu schaffen. Es knirscht und knackt als wir uns durchs Eis brechen.

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